Internat-Schüler seien eine Bande
unerzogener Zöglinge, las ich mal in einem schlechten Roman. Das Gegenteil
wurde in Hermann Hesses „Unterm Rad“ geschildert. Der „Held“ ging zum Schluss
ins Wasser – brachte sich um.
In meiner Schule lagen die
Charaktere der Schulkameraden dazwischen.
Nach der Mittleren Reife hatte
die Klasse die Möglichkeit, einen Tanzkurs zu machen. Dazu kam ein
Tanzlehrer-Ehepaar aus Crailsheim einmal wöchentlich freitags, der Speisesaal
wurde umgeräumt, und zum Schluss gab es einen Abschlussball.
Die Tanzdamen kamen aus der Stadt
– wurden von unseren Schul-„Don Giovannis“ angeschleppt, damit auch der
verklemmste Tanzschüler seine Damen bekam.
Natürlich werden die Damen von
unseren Weiber-Spezialisten begutachtet … und dabei ging es zu, als wäre wir
auf einem orientalischen Heiratsmarkt – und nicht in der hohenlohischen
Provinz.
Ich erinnere mich noch an eine
liebe kleine Mädchen, die ganz aufmerksam, witzig, lebendig und nett –
aber sie hatte keine Ahnung, in welche Räuberhöhle sie geraten war.
Frauen wurden damals als Objekt
der Begierde betrachtet – aber nur aus der Ferne. Sie wurden von ihrem Galant
abgeholt, nach dem Kurs wurden die Damen gegen 21.30 Uhr von ihren Eltern oder
Brüdern oder Verwandten wieder abgeholt.
Jene kleine Damen, die ein wenig
zu frech war für unsere Fachmänner, unsere „Don Giovannis“, hatte in einer
Tanzstunde in einer kleinen stillen Sequenz einen Furz gelassen … ich weiß
nicht warum, ob diese Kohl zum Abendbrot gegessen hatte, aber es war vor aller
Ohren geschehen…
Sehr, sehr, sehr peinlich … und
es war das Gespräche eine Woche lang. Der Tanzpartner schämte sich tief darüber
…
Aber er konnte die Damen nicht
mehr wechseln, der Kurs war unterschrieben, muss bezahlt werden …
Man nahm den Fauxpas
schließlich einfach hin – und vergaß den Vorgang wieder.
Die linken Pöbler, die durch die
Studentenbewegung hochschwemmten und den dann den Ton anstimmten, waren
noch nicht präsent.
Ganz bestimmte Leute hörten im Lumpenproletariat
eine Sprache, die in den Universitäten als Seminar angeboten werden: Die
deutsche Umgangssprache, die Sprache der Unterschichten, etc.
Bis das Subproletariat als
revolutionäres Subjekt entdeckt wurde - und mit einer historischen
Mission ausstattete. Gerade das Unbeholfene und Rohe galt als authentisch.
Wer wie Andreas Baader Frauen
durchweg als "Fotzen" respektive "Knallfotzen" bezeichnete,
dem flogen die Herzen zu.
Aber das alles hat sich verwischt
… Das Subproletariat hat sich den rechten Wirrköpfen zugewandt.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen