Sonntag, 20. September 2015

20.09.2015 - Wirrköpfe

Internat-Schüler seien eine Bande unerzogener Zöglinge, las ich mal in einem schlechten Roman. Das Gegenteil wurde in Hermann Hesses „Unterm Rad“ geschildert. Der „Held“ ging zum Schluss ins Wasser – brachte sich um.

In meiner Schule lagen die Charaktere der Schulkameraden dazwischen.
Nach der Mittleren Reife hatte die Klasse die Möglichkeit, einen Tanzkurs zu machen. Dazu kam ein Tanzlehrer-Ehepaar aus Crailsheim einmal wöchentlich freitags, der Speisesaal wurde umgeräumt, und zum Schluss gab es einen Abschlussball.

Die Tanzdamen kamen aus der Stadt – wurden von unseren Schul-„Don Giovannis“ angeschleppt, damit auch der verklemmste Tanzschüler seine Damen bekam.

Natürlich werden die Damen von unseren Weiber-Spezialisten begutachtet … und dabei ging es zu, als wäre wir auf einem orientalischen Heiratsmarkt – und nicht in der hohenlohischen Provinz.

Ich erinnere mich noch an eine liebe kleine Mädchen, die ganz aufmerksam, witzig, lebendig  und nett – aber sie hatte keine Ahnung, in welche Räuberhöhle sie geraten war.

Frauen wurden damals als Objekt der Begierde betrachtet – aber nur aus der Ferne. Sie wurden von ihrem Galant abgeholt, nach dem Kurs wurden die Damen gegen 21.30 Uhr von ihren Eltern oder Brüdern oder Verwandten wieder abgeholt.

Jene kleine Damen, die ein wenig zu frech war für unsere Fachmänner, unsere „Don Giovannis“, hatte in einer Tanzstunde in einer kleinen stillen Sequenz einen Furz gelassen … ich weiß nicht warum, ob diese Kohl zum Abendbrot gegessen hatte, aber es war vor aller Ohren geschehen…

Sehr, sehr, sehr peinlich … und es war das Gespräche eine Woche lang. Der Tanzpartner schämte sich tief darüber …

Aber er konnte die Damen nicht mehr wechseln, der Kurs war unterschrieben, muss bezahlt werden …

Man nahm  den Fauxpas schließlich einfach hin – und vergaß den Vorgang wieder.

Die linken Pöbler, die durch die Studentenbewegung hochschwemmten und den dann den Ton anstimmten, waren  noch nicht präsent.

Ganz bestimmte Leute hörten im Lumpenproletariat eine Sprache, die in den Universitäten als Seminar angeboten werden: Die deutsche Umgangssprache, die Sprache der Unterschichten, etc.

Bis das Subproletariat als revolutionäres Subjekt entdeckt wurde  - und mit einer historischen Mission ausstattete. Gerade das Unbeholfene und Rohe galt als authentisch.

Wer wie Andreas Baader Frauen durchweg als "Fotzen" respektive "Knallfotzen" bezeichnete, dem flogen die Herzen zu.

Aber das alles hat sich verwischt … Das Subproletariat hat sich den rechten Wirrköpfen zugewandt.

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