Mittwoch, 3. Juni 2015

03.06.2015 - Freiheit und Kirchentag

1969 war in Stuttgart Evangelischer Kirchentag angesagt – 16. Bis 20 Juli 1969. Der erste und letzte Kirchentag, den ich besucht habe.

Ich war in Künzelsau Mitglied in einem Diskussions-Club, der sich alle zwei Wochen traf - wenn ich mich richtig erinnere. 

Treffpunkt war das Morsbacher Tor. Wir diskutierten Artikel aus der Wochenzeitung DIE ZEIT - und andere Zeitungen.

Warum dieser Club zum Evangelischen Kirchentag in Stuttgart eingeladen wurde, um eine Halle für die Jugend auf dem Killesberg mitzugestalten – das fällt mir nicht mehr ein.

Die Mutter eines Gründers dieses Clubs war sehr aktiv in Künzelsau – auch in der Kommunalpolitik und in der evangelischen Kirche … eigentlich war sie die Initiatorin der Morsbacher Kreises. Aber war sie der Grund?

Präsident des Kirchentags war Richard von Weizsäcker, CDU-Politiker. Ein fürchterlich langweiliger Mensch. Sohn eines Nazi-Verbrechers.

Mit einem anderen Künzelsauer Kollegen habe ich ein Meter hohen mal 15 Meter langem Transparent angefertigt, angeklebt an einem Geländer.

Karl Marx hatte in seinen Thesen über Feuerbach formuliert: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt drauf an, sie zu verändern."

Unsere Verballhornung lautete für den evangelischen Kirchentag: „Die Theologen haben den Glauben nur verschieden interpretiert, es kömmt darauf an, ihn abzuschaffen.“

Wahrlich – eine tolle Tat, eine revolutionäre Aktion, ein typischer Hohenloher Pfurz für den Stuttgarter Kirchentag. Ich schäme mich heute noch dafür. 

Besonders erschüttert hat mich eine Diskussion und das Drumherum in eine Halle des Killesbergs. 

Am Podium saß Günter Grass, damals vornehmlich Sozi-Schriftsteller, und der liberale Erziehungswissenschaftler Hartmut von Hentig, der damals schon zur „Evangelischen Mafia“ gezählt wurde - später wurde er durch seine Freundschaft zu Gerold Becker bekannt, dem homosexuellen Direktor der Odenwaldschule und seine Missbräuche, die ihm angelastet werden. 

Und dann dieses schreckliche Erlebnis.

DIE ZEIT im Jahre 2006 über eine fürchterliche Tat - in dieser Halle: 

„Es geschah auf dem Evangelischen Kirchentag in Stuttgart 1969. Günter Grass hatte gerade aus einer noch unveröffentlichten Novelle gelesen, in der er sich kritisch äußerte gegen ritualisierten Protest, als ein Mann aufstand und viele wirre Sätze sagte über unbedingte Treue und selbstlose Opfer und darüber, dass er sich im Stich gelassen fühle. Ein Unerhörter, der sich endlich Gehör verschaffen wollte. Ein Ungeborgener in der Welt, der selbst in der Kirche nicht fand, worin er einst so geschwelgt hatte: Gemeinschaft. Im letzten Satz seiner Suada voller "Wortschutt", wie Grass es später nennen wird, rief er seinen SS-Kameraden einen Gruß zu. Und fiel kurze Zeit später zu Boden. Ein Schwächeanfall – so die Vermutung. Tatsächlich hatte der Mann Zyankali genommen. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus.“

Die kluge Tochter des Tübinger Apothekers hat ein erschütterndes Buch über den Frei-Tod ihres Vater geschrieben. Der SS-Mann Günter Grass reagierte bei dieser Diskussionen am Kirchentag nicht - auf den Tod des Apothekers. Und Hartmut von Hentig, auch nicht gerade unbefleckt durch das Dritte Reich gekommen, schwieg auch. 

Nach diesem Kirchentag im Jahre 1969 bin aus der Evangelischen Kirche ausgetreten. Und ich habe bis heute diesen Schritt nicht bereut. 

Ich war nach diesem Kirchen-Austritt befreit, glücklich und froh, diese verlogene pseudo-evangelisch-christliche Sekte/Gemeinschaft des ekelhaften Antisemiten Martin Luther verlassen zu haben.

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