Als ich im Jahre
1973 mein erstes Buch von Ernst Jünger „Auf den Marmorklippen“ kaufen wollte – auf
Empfehlung eines alten Lehrers – da wurde ich in Heilbronn unfreundlich von der
Buchhändlerin zurechtgewiesen.
Sie weigerte
sich mein Buchwunsch im großen
Bestellbuch nachzuschlagen oder gar zu bestellen – mit der Bemerkung: „Diesen Schriftsteller
bestellen und verkaufen mir nicht – der ist zu rechts, fast ein Nazi.“
Wie ich später
herausfand: Bücher von DDR-Schriftstellern, die vom kommunistischen Staat, unterstützt
worden, die lagen in Hülle und Fülle in dem Buchladen aus. Auch Bücher von Karl
Marx, Lenin, Stalin, Trotzki, etc. wurden verkauft.
Insofern von
Massenmördern. Auch Bücher des Judenhasser und Bauernkrieg-Ankläger Martin
Luther, oder Napoleon oder Julius Caesar …
Ich habe
nichts dagegen – ich will lesen, was mir gefällt. Ich hasse die staatliche oder
buchhändlerische Zensur.
Mein erstes Ernst-Jünger-Buch
habe ich dann in Schwäbisch Hall gekauft. Später die 22 „Sämtlichen Werke“ von
Ernst Jünger.
Ich habe auch Bücher des türkisch-deutschen Schriftsteller Akif
Pirinçci gekauft und gelesen. Aber momentan kann ich seine Bücher nicht kaufen.
Warum?
DER SPIEGEL: Der deutsche Buchhandel hatte beschlossen, keine
Bücher des Schriftstellers Akif Pirinçci mehr auszuliefern. Pirinçci hat in
seinem Leben 18 Bücher veröffentlicht, aber seit er sich vor drei Wochen bei einem
Auftritt in Dresden um Kopf und Kragen redete, ist es nahezu unmöglich,
eines davon zu beziehen. Erst kündigte
ihm die Verlagsgruppe Random House die Zusammenarbeit, dann stoppten die
großen Barsortimente Libri, Umbreit und KNV die Auslieferung aller Titel.
Auch der Weg über den sogenannten stationären Handel ist faktisch
verschlossen. Viele Buchhändler haben angekündigt, kein Buch mehr zu bestellen,
selbst wenn die Kunden das ausdrücklich wünschen. Amazon ist gleich nach der
Rede so weit gegangen, jeglichen Hinweis auf den Autor zu tilgen. Sogar der Börsenverein
des deutschen Buchhandels ist aktiv geworden. Vor ein paar Tagen hat auch die
von einer Börsenvereinstochter betriebene Bestellplattform buchhandel.de alle
Pirinçci-Titel aus dem Katalog genommen. Damit ist der Pirinçci-Boykott
gewissermaßen offiziell abgesegnet.
Ich hätte nie gedacht, dass jemals wieder eine rot-grüne Bücher-Zensur
im neuen Deutschland, in der merkel’schen Biedermeier-Republik, stattfindet.
Quasi – eine kleiner Diktatur. Wie einst im Nazi-Deutschland und in der kommunistischen
DDR. Der orwellsche „Große Bruder“, sprich die große Schwester, bestimmt, was
wir lesen dürfen. Wir sind wieder so weit.
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