Dienstag, 10. November 2015

10.11.2015 - Zensur

Als ich im Jahre 1973 mein erstes Buch von Ernst Jünger „Auf den Marmorklippen“ kaufen wollte – auf Empfehlung eines alten Lehrers – da wurde ich in Heilbronn unfreundlich von der Buchhändlerin zurechtgewiesen.

Sie weigerte sich mein  Buchwunsch im großen Bestellbuch nachzuschlagen oder gar zu bestellen – mit der Bemerkung: „Diesen Schriftsteller bestellen und verkaufen mir nicht – der ist zu rechts, fast ein Nazi.“

Wie ich später herausfand: Bücher von DDR-Schriftstellern, die vom kommunistischen Staat, unterstützt worden, die lagen in Hülle und Fülle in dem Buchladen aus. Auch Bücher von Karl Marx, Lenin, Stalin, Trotzki, etc. wurden verkauft.

Insofern von Massenmördern. Auch Bücher des Judenhasser und Bauernkrieg-Ankläger Martin Luther, oder Napoleon oder Julius Caesar …

Ich habe nichts dagegen – ich will lesen, was mir gefällt. Ich hasse die staatliche oder buchhändlerische Zensur.

Mein erstes Ernst-Jünger-Buch habe ich dann in Schwäbisch Hall gekauft. Später die 22 „Sämtlichen Werke“ von Ernst Jünger.

Ich habe auch Bücher des türkisch-deutschen Schriftsteller Akif Pirinçci gekauft und gelesen. Aber momentan kann ich seine Bücher nicht kaufen. Warum?

DER SPIEGEL: Der deutsche Buchhandel hatte beschlossen, keine Bücher des Schriftstellers Akif Pirinçci mehr auszuliefern. Pirinçci hat in seinem Leben 18 Bücher veröffentlicht, aber seit er sich vor drei Wochen bei einem Auftritt in Dresden um Kopf und Kragen redete, ist es nahezu unmöglich, eines davon zu beziehen. Erst kündigte ihm die Verlagsgruppe Random House die Zusammenarbeit, dann stoppten die großen Barsortimente Libri, Umbreit und KNV die Auslieferung aller Titel.

Auch der Weg über den sogenannten stationären Handel ist faktisch verschlossen. Viele Buchhändler haben angekündigt, kein Buch mehr zu bestellen, selbst wenn die Kunden das ausdrücklich wünschen. Amazon ist gleich nach der Rede so weit gegangen, jeglichen Hinweis auf den Autor zu tilgen. Sogar der Börsenverein des deutschen Buchhandels ist aktiv geworden. Vor ein paar Tagen hat auch die von einer Börsenvereinstochter betriebene Bestellplattform buchhandel.de alle Pirinçci-Titel aus dem Katalog genommen. Damit ist der Pirinçci-Boykott gewissermaßen offiziell abgesegnet.

Ich hätte nie gedacht, dass jemals wieder eine rot-grüne Bücher-Zensur im neuen Deutschland, in der merkel’schen Biedermeier-Republik, stattfindet. Quasi – eine kleiner Diktatur. Wie einst im Nazi-Deutschland und in der kommunistischen DDR. Der orwellsche „Große Bruder“, sprich die große Schwester, bestimmt, was wir lesen dürfen. Wir sind wieder so weit.

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