Samstag, 31. Januar 2015

31.01.2015 - Lobhudelei



Richard von Weizsäcker ist  tot. Fand er die richtigen Worte, 40 Jahre nach Ende des Krieges?


Glauben wir wirklich, dass der ernstzunehmende Teil des deutschen Volkes die Kapitulation 1945 als Befreiung werteten, nach allem was geschah: millionenfacher Ermordung eigener Staatsbürger, Errichtung einer brutalen Diktatur, Überfall und Zerstörung der Nachbarländer, zig Millionen Kriegstote, zerstörte Städte, Millionen Toten bei der Vertreibung, Vergewaltigungen und der Bombardierung? Eine Befreiung vom grauenvollen Krieg – ja. 


Warum hat Richard von Weizsäcker in der gleichen Rede nicht gesagt:  Mein Vater war ein Nazi- Verbrecher, mein Onkel auch und ein anderer Onkel als "gottbegnadeter" Profiteur der Kunstförderung des Dritten Reichs . Niemand relativiert die Schuld Ernst von Weizsäckers, auch nicht die Victor von Weizsäcker oder von Fritz von Graevenitz.  


Im Frühjahr 1938, kurz vor seiner Ernennung zum Staatssekretär, trat Ernst von Weizsäcker schließlich der NSDAP bei und erhielt das Parteibuch Nummer 4.814.617. Jetzt wurde er auch Mitglied der SS und zum SS-Oberführer, später zum Brigadeführer - entsprechend dem Generalsrang - ernannt.


Vater Ernst von Weizsäcker  war als SS-Brigadeführer maßgeblich an der Judendeportation aus besetzten Ländern beteiligt. Es war peinlich zu hören, dass der Träger des Ehrendolches der SS (persönlich von Himmler 1942 verliehen) plötzlich als Widerstandskämpfer von seinem Sohn Richard dargestellt wurde.


Bei Böhringer hat Richard von Weizsäcker als Geschäftsführer nichts vom Export von Trichlorphenolatlauge (Agent Orange - Einzelheiten unter www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=14939) gewusst. Als Bundespräsident war der Jurist ein brillanter Repräsentant Deutschlands. Aber volksnah wie Heuß oder Heinemann hat ihn niemand empfunden. 

Bewundernswert waren der humorlose schwäbische Pietismus und die intellektuellen Belehrungen des Freiherrn. Er war ein würdiger Vorgänger des jetzigen evangelischen Präsidenten Gauck (Reichsbischof Müller?). 


In die Weizsäcker-Lobhudeleien einzustimmen? Wahrlich: Nein.

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